Die Bioenergie Guntrup wurde vom Land NRW als Fortschrittsmotor Klimaschutz ausgezeichnet:

Bedarfsgerechte Strom- und Wärmeproduktion

Der Ausbau Erneuerbarer Energie schreitet immer weiter voran. Doch die Einspeisung der grünen Energie ins Stromnetz birgt aufgrund ihrer schwankenden Produktion Herausforderungen. Einen Lösungsansatz bietet die Flexibilisierung von Biogasanlagen, denn diese ermöglicht die zeitliche Steuerung der Strom- und Wärmeproduktion. Wie die innovative Technologie in der Anwendung funktioniert und ökologisch wie ökonomisch sinnvoll in ein bestehendes System eingebunden werden kann, zeigt das Beispiel der vollflexibilisierten Biogasanlage der Bioenergie Guntrup GmbH.Das münsterländische Unternehmen für Bau und Betrieb von Biogasanlagen betreibt seit 2011 in Greven eine eigene Biogasanlage mit einem 370-Kilowatt-Blockheizkraftwerk (BHKW) und einem 190-Kilowatt-Satelliten-BKHW. Um die Anlage effizienter zu gestalten und fit für die Zukunft zu machen, entschied sich der Betrieb dazu, sie mit Unterstützung der Energethik Ingenieursgesellschaft weiterzuentwickeln. So konnte mit einem Zubau von etwa 1.200 Kilowatt die Leistung deutlich erhöht und mit der Integration eines Gasspeichers in die Anlagentechnik ein wichtiger Aspekt für die Flexibilisierung umgesetzt werden. Das BHKW läuft nun nicht mehr im Dauerbetrieb, sondern reagiert auf die Bedingungen am Strommarkt. Das produzierte Biogas kann dabei über längere Zeiträume zwischengespeichert werden. Auf diese Weise wird das Netz der Stadtwerke Greven, in das die Biogasanlage einspeist, entlastet.

Effizienzsteigerung durch Flexibilisierung

Das BHKW wurde mit einem neuen leistungsstärkeren FLEX-Motor ausgestattet, der einen deutlich besseren elektrischen Wirkungsgrad vorweist. Dadurch wird nicht nur eine effizientere Umsetzung, sondern auch bei gleicher Substratmenge eine höhere elektrische und thermische Leistung erzielt. Für mehr Effizienz sorgt auch der Einbau eines 10 Kilovolt-Generators. Dieser arbeitet auf Netzspannung, wodurch das Umwandeln über einen Transformator hinfällig wird und hierbei entstehende Verluste vermieden werden. Neben der besseren Auslastung der Anlage, profitiert der Betrieb auch von einer höheren Lebensdauer des Motors und geringeren Wartungs- und Reparaturkosten.

Innovative Wärmenutzung

Über ein Fernwärmenetz werden mit der im BHKW entstehenden Wärme zudem umliegende Gebäude und ein Gewächshaus versorgt. Auch hier ermöglichen Wärmespeicher eine bedarfsorientierte Versorgung, die insbesondere für den Winter eine besondere Rolle spielt. Da im Sommer weniger Wärme benötigt wird, als im Winter, wird weniger Substrat eingesetzt und somit weniger Biogas produziert. Steigt im Winter der Wärmebedarf an, wird mehr Substrat eingesetzt und mehr Biogas produziert. Insbesondere im Hinblick auf das Gewächshaus ist die Substratvariation von hoher Bedeutung, wenn beispielsweise Sonne und Wind nicht genug Energie liefern, können flexibilisierte Biogasanlagen das Defizit ausgleichen.

Durch den effizienteren Betrieb und die jahreszeitliche Flexibilisierung erzielen vollflexibilisierte Biogasanlagen eine bedeutende Klimaschutzwirkung. Als steuerbare, regenerative Energiequellen und Grundsteine für die Integration weiterer grüner Technologien bilden sie so einen wichtigen Aspekt für die Energiewende und eine klimafreundliche Alternative zu fossil betriebenen Kraftwerken.