Im niedersächsischen Bad Salzdetfurth entsteht derzeit der größte Biogasspeicher Deutschlands. Er soll mehr als 10.000 m³ Biogas fassen. Das Ingenieurbüro Energethik aus Osnabrück ist am Bau maßgeblich beteiligt. JOULE hat beim Energethik-Geschäftsführer Robert Wasser nachgefragt.

 

Joule: Herr Wasser, was ändert sich durch die Modernisierung der Biogasanlage?

Wasser: Bisher wurde die Biogasanlage mit NaWaRos betrieben, nach der Modernisierung wird sie umgestellt auf NaWaRos und Gülle. Die elektrische Leistung wird von 970 auf 3.200 kW erhöht. Die Anlage besteht aus zwei Standorten. Der eine Lieferte bisher 370, der andere 600 kW. Der erste kommt künftig auf 1.200 kW und der zweite auf 2.000 kW.

 

Joule: Wie hoch sind die Kosten?

Wasser: Die Anlage kostet knapp 3 Mio. €. Durch die Einsparung des Gärrestlagers und die Flexprämie in Höhe von 2,7 Mio. € finanziert sich die Anlage im Grunde über die Flexprämie. Die Zusatzerlöse sind Gewinne für die Betreiber. Das sind die Stadtwerke Bad Salzdetfurth und 17 Landwirte.

 

Joule: Wie kam es zu der Entscheidung einen so großen Biogasspeicher zu errichten?

Wasser: Der Speicher ist auf die 24-Stunden-Biogasproduktion ausgelegt, so dass wir tageszeitlich voll flexible fahren können.

 

Joule: Welche Vorteile hat so ein großer Speicher?

Wasser: Je mehr Biogas der Vermarkter speichern kann, desto mehr Spielraum hat er, um interessante Preisspitzen an der Börse abzufahren, wenn zu wenig Wind- und Sonnenstrom verfügbar sind. Dem Anlagenfahrer wird Zeit gegeben, die Fütterung entsprechend der Preisvorhersagen anzupassen. Weiterhin kostet ein großer Speicher spezifisch pro Kubikmeter deutlich weniger als ein kleiner Speicher. Dies gilt ebenfalls für die Wärmespeicher.

 

„Je Größer der Speicher, desto flexibler die Anlage“ – Robert Wasser

 

Joule: Für wen eignet sich eine Anlage dieser Dimension?

Wasser: Biogasanlagen, welche an der Stromversorgung der Zukunft teilnehmen wollen, kommen nicht umhin, ihre Anlage zu flexibilisieren – sie brauchen Gasspeicher. Angesichts steigender volatiler Stromerzeugung wird Flexibilität immer wichtiger. Je größer der Speicher ist, desto flexibler ist die Anlage. Später einen weiteren dazu zu bauen wird immer teurer, als einen großen Speicher zu errichten.

 

Joule: Wodurch unterscheidet sich die Arbeitsweise dieser BGA von einer herkömmlichen?

Wasser: Die Blockheizkraftwerke werden nur wenige Stunden am Tag betrieben, immer dann, wenn der Strompreis hoch ist. Den Rest der Zeit werden sie auf Bereitschaft gehalten und bieten positive Regelenergie an.

Gas- und Wärmespeicher werden in Abstimmung mit dem Vermarkter ständig be- und entladen. Zudem wird eine jahreszeitliche Lastverschiebung möglich, sodass die Wärmeversorgung eines Schwimmbades vollständig gedeckt werden kann.

 

Joule: Auf welche Herausforderungen sind Sie beim Bau bisher gestoßen?

Wasser: Für die Genehmigung des Biogasspeichers wurde ein aufwändiges Gutachten gefordert, dies wurde jedoch mittlerweile akzeptiert. Der Flexbetrieb der BHKWs hat ebenfalls einigen Abstimmungsbedarf erfordert. Die neue BHKW-Generation bietet jedoch mittlerweile ein Start/Betriebsstundenverhältnis von 1:1 an, damit kann man schon sehr flexibel fahren.

 

Joule: Wann geht die Anlage voraussichtlich in Betrieb?

Wasser: Im Oktober 2016.