Beim Thema Energie spielt Nachhaltigkeit längst eine zentrale Rolle. Erneuerbare Energien sind gefragt. Dazu zählt auch Biogas, das aus Pflanzen, Biomüll oder Gülle gewonnen wird. „Bioenergie hat gegenüber Wind- und Solarenergie den Vorteil, dass nicht das Wetter darüber entscheidet, wann Energie produziert wird“, sagt Robert Wasser, Gründer des Osnabrücker Start-ups „Energethik“ und Absolvent der Hochschule. „Gerade wenn die Sonne mal nicht scheint oder kein Wind weht, könnten Biogasanlagen die entstehenden Versorgungslücken schließen. Allerdings machen die herkömmlichen Anlagen da einen Strich durch die Rechnung.“ Sie seien technisch so konstruiert, dass sie nur im Dauerbetrieb Energie erzeugen können, nicht nach Bedarf. „Da wird am Ende viel zu viel Energie erzeugt und unnötig verschleudert.“ Um genau das zu ändern, hat sich Wasser im Jahr 2014 mit seinem eigenen Ingenieurbüro auf den Weg gemacht.

 

Schon ganze Ortschaften auf Fernwärme umgestellt

 

„Wir flexibilisieren die Biogasanlagen. Das heißt: Wir lassen sie so umbauen, dass sie auch für wenige Stunden am Tag in Betrieb genommen werden können und trotzdem noch so viel Strom und Wärme wie nötig liefern.“ Dazu wird die Energieleistung der Anlagen um ein Mehrfaches erhöht. Außerdem werden zusätzliche Gas- und Wärmespeicher installiert. Auf diese Weise kann mehr Strom produziert und Biogas gespeichert werden. Die Wärme wird separat abgespeichert und kann nach Bedarf direkt ins Wärmenetz eingespeist werden. „So geht nichts verloren.“

Neben Biogasanlagen sind Wärmenetze ein weiteres großes Thema für Wasser und sein zehnköpfiges Team. „In den meisten Häusern stehen noch alte Heizungsanlagen, die Wärme aus fossilen Brennstoffen wie Heizöl oder Erdgas erzeugen. Und das, obwohl es heute dank Fernwärme viel umweltfreundlicher ginge.“ In den vergangenen Jahren hat das Start-up schon einige Kilometer Wärmeleitungen verlegt. Darüber werden die Haushalte nun mit Wärme versorgt, die aus Biogasanlagen, Abwärme, Solarthermie oder Holzkesselanlagen stammt. „Im Anschlussgebiet von Nahwärmenetzen können Haushalte auf die alte Heizung im Keller verzichten.“

Den Namen „Energethik“ trägt das Start-up aus einem ganz bestimmten Grund. „Aus Energie und Ethik wird ‚Energethik‘. Beides gehört für uns untrennbar zusammen“, sagt Wasser. Die Vision des Start-ups sei es, Energieversorgung so zu gestalten, dass auch die nachfolgen den Generationen noch gut auf der Erde leben können. Das Thema lässt den Jungunternehmer schon seit seiner Studienzeit nicht mehr los. An der Hochschule Osnabrück hat er von 2007 bis 2010 im damaligen Diplom-Studiengang Maschinenbau mit der Fachrichtung Energietechnik studiert. „Das Studium hat mir eine solide Grundlage vermittelt. An eine Energiewende hat damals aber noch niemand gedacht. Deswegen spielten erneuerbare Energien nur am Rande eine Rolle.“

In Eigenregie hat er sich näher mit dem Thema befasst und entschieden, dass er sich nach dem Studium auf der grünen Seite des Energiesektors engagieren will. Als Projektingenieur gelingt Wasser der Jobeinstieg bei einem Ingenieurbüro in der Region. Er merkt, dass er auf dem richtigen Weg ist. „Ich war verblüfft, wie schnell man eine ganze Siedlung von fossilen auf erneuerbare Energien umstellen kann. Das wollte ich unbedingt vorantreiben.“

Mit seiner Frau gründet er später sein eigenes Unternehmen, das im InnovationsCentrum Osnabrück in unmittelbarer Nähe zur Hochschule beheimatet ist. In Sachen Flexibilisierung von Biogasanlagen ist das Start-up laut Wasser bundesweit Marktführer. „Die Auftragsbücher sind so voll, dass wir auf einen Schlag fünf weitere Mitarbeiter einstellen könnten.“ In Zukunft wollen Wasser und sein Team auch den internationalen Markt ins Visier nehmen.